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„Opt Out“ -Richtlinien erhöhen die Organspende

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In Ländern wie Österreich machen die Gesetze die Organspende zur Standardoption zum Zeitpunkt des Todes, und daher müssen die Menschen die Organspende ausdrücklich „ablehnen“. In diesen sogenannten Opt-Out-Ländern melden sich mehr als 90% der Menschen zur Organspende an. In Ländern wie den USA und Deutschland müssen die Menschen jedoch ausdrücklich „zustimmen“, wenn sie ihre Organe spenden möchten, wenn sie sterben. In diesen Opt-in-Ländern registrieren sich weniger als 15% der Menschen.

Die Sozialpsychologen Shai Davidai, Tom Gilovich und Lee Ross machten sich daran, die Psychologie hinter diesen unterschiedlichen Organspendenraten zu verstehen. Die Forscher baten die Amerikaner zunächst zu überlegen, was es bedeutet, seine Organe in Opt-In-Ländern im Vergleich zu Opt-Out-Ländern zu spenden. Die Forscher fanden heraus, dass Amerikaner Organspende in Opt-In—Ländern als außergewöhnlichen Altruismus betrachten – eher als würden Sie 50% Ihres Nachlasses für wohltätige Zwecke hinterlassen als 5%. In Opt—Out-Ländern ist es jedoch außergewöhnlich, keine Organe zu spenden – eher wie das Überspringen des Abschlusses Ihres Kindes als das Überspringen des Baseballspiels Ihres Kindes. Amerikaner vergleichen die Organspende in Opt-In-Ländern auch mit kostspieligen Handlungen wie einem Hungerstreik, sehen die Organspende in Opt—Out-Ländern jedoch als weniger folgerichtig an – eher als würde man jemanden in der Schlange stehen lassen.

Die Forscher untersuchten dann die Überzeugungen der Teilnehmer, die in Ländern mit Opt-In- oder Opt-Out-Richtlinien leben. In Deutschland, einem Opt-In-Land, betrachten die Teilnehmer die Organspende als ethisch sinnvolle und kostspielige Aktion. In Österreich, einem Opt-Out-Land, betrachten die Teilnehmer die Organspende jedoch als ethisch unbedeutende und belanglose Maßnahme.

Basierend auf diesen Ergebnissen kommen die Forscher zu dem Schluss, dass eine Änderung der Politik, so dass die Vereinigten Staaten eher ein Opt-Out-Land als ein Opt-In-Land wurden, die Organspende von einer sinnvollen und kostspieligen Aktion in eine triviale und belanglose verwandeln würde. Diese Bedeutungsänderung würde wiederum zu einem Anstieg der Organspenden führen.

Warum das funktioniert

Diese Studie zielt auf die Wahrnehmung der Menschen ab, was normal und üblich ist — der Status quo. Menschen neigen dazu, sich dem Status Quo anzupassen. In einem Opt-Out-Land besteht der Status Quo darin, nach dem Tod Organe zu spenden. Eine einfache Anpassung der Formulierung der Standardoption in den Vereinigten Staaten hat das Potenzial, mehr Menschen zur Organspende zu führen und folglich Tausende von Leben zu retten.

Wenn dies am besten funktioniert

Länder oder Staaten, die derzeit über eine Opt-In-Richtlinie verfügen und keine religiösen oder kulturellen Überzeugungen haben, die eine Organspende verhindern, würden am meisten von einer Änderung ihrer Standardrichtlinien profitieren.

Die ursprüngliche Studie

Davidai, S., Gilovich, T., & Ross, L. (2012). Die Bedeutung der Standardoptionen für potenzielle Organspender. Proceedings der Nationalen Akademie der Wissenschaften, 15201-15205.

In der Presse

Die New York Times

Credits

Text von Francesca Scheiber

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Bildnachweis: Organspender über photopin (Lizenz)